Agrarsprit ist Unfug
Von Stephan Börnecke
Wie lange hält ein Liter Öl? In der Küche vielleicht einen Monat, je nach Familie, auf der Autobahn, als Ethanol oder Rapsdiesel, ein paar Minuten, je nach PS. Allmählich müsste es auch der letzte Politiker kapiert haben, der sich mit dem Thema Agrarsprit gern ein grünes Mäntelchen umhängt: Die Produktion von Benzin und Diesel aus Mais, Weizen, Raps oder Palmöl und deren Förderung mit Milliarden, sei es durch Subvention oder Steuerverzicht, ist Unfug. Pflanzensprit ist ein gefährlicher Preistreiber für Lebensmittel, und er hat praktisch keinen Effekt für den Klimaschutz. Daran dürfte auch die zweite Agrosprit-Generation, die den Rohstoff besser ausnützt, nur wenig ändern. Sollte nämlich der Agrartreibstoffanbau beliebig auf Ländereien ausgedehnt werden, die bislang nicht landwirtschaftlich genutzt wurden, droht ein Verlust an Artenvielfalt, kann durch Abholzung oder Humusverlust mehr Treibhausgas freigesetzt werden, als durch die nachwachsenden Rohstoffe gebunden wird.
Die Studie der OECD ist eindeutig, die Erkenntnis keineswegs neu, aber es wollen wenige wahrhaben. Ähnliche Studien, wie die der Weltbank oder eine des Forschungszentrums der EU, werden deshalb bewusst unter der Decke gehalten. Sie stellen die Pflanzensprit-Ziele etwa der EU komplett infrage. Dass daraus (noch) keine echten Schlüsse gezogen werden, ist klar: Es hängen jede Menge Lobby-Interessen daran, ob der Automobilindustrie oder auch der Bauernverbände. Die Botschaft indessen ist unumstößlich: Nicht Gas geben mit Pflanzensprit, sondern sparen und die Biomasse dort einsetzen, wo sie optimale Wirkung entfalten kann. Also zum Beispiel in Blockheizkraftwerken.